Sehr knifflig: Boni für Looser.
Ehrlicherweise muss ich gestehen, dass Boni, ihre Höhe und Zahlungsmodalitäten nichts mit “Kommunikation” im engeren Sinn zu tun haben.
Wenn man jedoch einen etwas weiteren Begriff von Kommunikation zugrunde legt, geht es ans Grübeln. Wenn sich jetzt viele Banker die Taschen voll machen (und standhaft dem Vorwurf der “Unmoral” trotzen), hat das einen guten Grund: Wer weiß, wann sie den nächsten gut dotierten Job bekommen? Der Staat und seine Politiker werden wohl kein Interesse an deren nächster Bestallung haben, wenn die betroffenen Banker nicht selbst als Politiker im Aufsichtsrat saßen. Dass diese Angst um das eigene Auskommen und das damit verbundene “Was ich kriegen kann, nehme ich mit.” der Gemeinschaft der Steuerzahler nicht unbedingt ideal erscheint, liegt in der Natur der Sache. Verhindern können sie es nicht; schließlich gehört das Verbot rückwirkender Gesetze zumindest in diesem Bereich zu den ehernen Säulen des Rechtsstaats. (Bei Steuerhinterziehern ist der Staat nicht immer so nett.)
Für die Mehrheit der Bevölkerung ist das ein schwacher Trost, schafft sie es doch nicht, von den fließenden Summen auf das Grundsätzliche zu abstrahieren (wie das der Jurist sachlich korrekt zweifellos tun muss). Es ist eben “gefühlt” etwas anderes, wenn der Broker aus Angst vor der Arbeitslosigkeit einen 6 Millionen Bonus beansprucht (wie vertraglich vereinbart) und der Abteilungsleiter die Nutzung seines 5er BMW auch während seiner Freistellung bis zum Unternehmensaustritt (wie vertraglich vereinbart) beansprucht.
Wenn man dem “gierigen” Banker dann nahe legt, doch angesichts der vielen verfeuerten Steuergelder auf “seine” 6 Millionen zu verzichten, da er ja in den letzten Jahren schon 50 Millionen verdient hat, wird man erfahren, was der Mann/die Frau alles zu unterhalten hat: den Bentley, die Häuser, die Pferde und die beiden Yachten. Mindestens eine wird er verkaufen müssen, da ein nächster Job nicht in Aussicht ist. Damit ist er genug gestraft. Wenn er seinen Bonus nicht bekäme, wäre auch die zweite weg. Was lehrt uns das? Wenn pacta servanda sunt, sollten sich Gesetzgeber die Gedanken machen, bevor die pacta geschlossen werden.Und genau das ist ihnen vorzuwerfen, nicht die Heuchelei im nachhinein.
No commentsVolksfürsorge mag Kapitalisten und gründet deshalb “Steuerwehr”!
Als ehemalige Eigentümer werden sich die Gewerkschaften die Hände reiben: Endlich greift auch die Volksfürsorge das drängende Thema Steuerhinterziehung, äh, Steuervermeidung auf und macht den Kapitalisten unter uns feine Angebote zum Sparen der Abgeltungssteuer. Gut so – so können auch die Stammversicherungsnehmer aus dem sozialdemokratischen Lager ihre sauer ersparten Millionen dem Zugriff des Fiskus entziehen und müssen nicht mehr wie jeder schnöde Millionär den beschwerlichen Weg nach Vaduz unter die vier Räder nehmen. Für alle Zauderer unter den Volksfürsorge-Entscheidern wurde jedoch offensichtlich eine Werbeagentur ausgewählt, die den wahren Impact auf den gebuchten Großflächen klug vermeidet: Mit einer weißen Headline auf gelbem Grund wird so schnell kein Vorbeifahrender die Botschaft erkennen können. Sonst könnte es ja noch böses Gerede zum Thema “Gute Steuervermeider – böse Hinterzieher
Der Postbank-Kunde bist jetzt Ich.
Wir wissen, dass viele Städte ihre Einwohner begeistert aufrufen, sie zu sein. Be Berlin, Be Birmingham usw. Amsterdam ist schon weiter: IAMsterdam.
Vom Identi
fizierungsrausch erfasst ist nun auch die früher eher bodenständige Postbank: Die Silbe “ich” in den verschiedensten Zusammenhängen wie “flüssisch”, “zuversichtlich”, “häuslich”, “fortschrittlich” soll dazu führen, dass die Postbank als weniger egoistisch, sondern als vor allem kundenorientiert wahr genommen wird.
Vermutlich haben die zuständigen Kommunikatoren eine Identifikationskonstruktion herbei fabuliert und erfolgreich getestet, beim der dem gesunden Menschenverstand der Atem stockt. Erscheint uns denn ein Unternehmen, das “ich, ich, ich und ich” ruft, als gänzlich frei von Egozentrik?
Sind Postbank-Kunden oder potentielle Postbank-Kunden denn Globetrotter in den Weiten des Unternehmens-Ichs? Glaube ich das? Oder wir?
Oder glauben da einige Mitarbeiter der Postbank, dass der Unterschied zwischen Anbieter und Nachfrage im mentalen Dämmerzustand inzwischen völlig weggebrochen ist?
No comments“We love the new” Vitamin B.
Schöne Sache ist das geworden: NRW vermeldet stolz “We love the new.” Das ist zwar falsches Englisch, aber schön kurz und knackig. Dass sich hier wie gewohnt die üblichen Verdächtigen aus Steuergeldern bedienen, muss man ja nicht einmal mehr erwähnen.
Aus fachlicher Sicht ist der Claim gar nicht so falsch, allerdings fehlt das Besondere daran: Welcher Werbetreibende würde sich schon gegen eine Innvovationsauslobung wenden? Dieser Slogan tut auch keinem weh, vor allem keinem anderen Bundesland. Das soll er wohl auch nicht, sind doch die gleichen Ideenfinder parallel für Baden-Württemberg tätig. Offensichtlich hat der eine oder andere Steuergeld-Verantwortliche noch nie etwas von “Konkurrenzausschluss” gehört.
Wundert das überhaupt noch jemanden?
2 commentsAir Berlin: Solamente Español?
Die Regierung derBalearen findet Air Berlin nicht kooperativ: Air Berlin Chef Hunold hat sie ob ihres Ansinnens verspottet, auf Flügen von und zu Mallorca doch bitte auch Ansagen in katalanischer Sprache vorzusehen. Derzeit ist dieses Thema dort gerade auf der Agenda; offensichtlich haben die Air Berlin Kommunikatoren diesen aktuellen Umstand bei der Vorformulierung der Stellungnahmen für ihren Chef außer acht gelassen. Man kommt ins Grübeln: Selbstverständlich hat die Airline nachvollziehbar recht, wenn sie darauf verweist, dass man auf internationalen Flügen nicht jede Sprachnische bedienen kann. Aber muss man die Inselregierung für dieses Ansinnen auch noch als kleinkariert und zurück geblieben beschimpfen? Ein bescheidenes “Sorry, aber das können wir nicht leisten.” hätte doch durchaus genügt.
Birmingham oder Berlin: Was möchtest Du sein?
Der junge Europäer hat es schwer: Er kann sich nicht entscheiden, was er gerne wäre. Während die zweitgrößte Stadt Englands ihn auffordert, Birmingham zu sein, kann Berlin es sich nicht verkneifen, das gleiche von von ihren Einwohnern und Besuchern zu verlangen. Möglicherweise ist der einzige Ausweg der Rückzug ins persönlich niederländische: IAMsterdam.

BeBerlin: Lünstroth unterstützt Sammelklage gegen den Senat.
Wie bekannt, könnte es im Rahmen der Vergabe der “Berlin-Imagekampagne” nicht ganz mit rechten Dingen zugegangen sein. Entsprechend bereiten die düpierten, weil entweder abgewiesenen oder gar nicht erst zugelassenen, Agenturen eine Sammelklage gegen den Senat von Berlin vor. Die Lünstroth Markenberatung hatte mit dem Konzept-Vorschlag “Berlin bewegt” ebenfalls an der Ausschreibung teilgenommen und war abschlägig beschieden worden. Das Haus wird sich jetzt an der Klage beteiligen. Begründung dafür: “In erster Linie sind wir enttäuscht, dass bei der Auswahl und Entscheidung für BeBerlin die Ausschreibevorgaben offensichtlich außer acht gelassen worden sind. Die Ausschreibung verlangte zum einen, dass das übergreifende Konzept “Stadt im Wandel” sich im Claim ausdrückt und dass zum anderen die Ausgangssprache des Claims deutsch sein sollte. Beide Bedingungen sind mit “BeBerlin” nicht erfüllt. Hier sollte ein Zeichen gesetzt werden, dass Ausschreibungen gerade der öffentlichen Hand mit mehr Professionalität behandelt werden sollten.” Das Unternehmen hat überdies unter http://www.berlin-bewegt.de eine Abstimmungsmöglichkeit eingerichtet.
Grey jetzt China: Ruhr hoch n erobert die Welt abseits des Internet!
Die neue Ruhrgebietskampagne ist also Ruhr hoch n. Intelligenterweise setzt die betreuende Agentur auf eine Fortführung der bewährten Expo2000-Optik. Auf diese Weise wird das vor acht Jahren aufgebaute Event-Vertrauen genutzt, um auch dem Ruhrgebiet etwas weltläufigen Flair zu verleihen. Das wirkt zwar etwas chinesisch (”Plagiate sind eigentlich die wahren Komplimente”), aber der Zweck heiligt in diesem Fall offensichtlich die Mittel. Etwas problematisch scheint der Wortbestandteil des Logos zu sein: Ruhr hoch n mag für den Mathematiker eine viel versprechende Botschaft zu sein, drückt es doch - je nachdem wie der Wert für “Ruhr” ist - entweder ein Nahe-Null oder ein Nahe-Unendlich aus. Aber für den gemeinen Wirtschaftslenker scheint die Botschaft doch arg zu knapp. Wie wir jedoch anlässlich der Präsentation erfahren, ist die geballte Wirkung erst für 2030 oder so zu erwarten. Ganz offensichtlich gibt es zu diesem Zeitpunkt dann auch kein Medium wie das Internet mehr, denn im Internet kann man Ruhr n (mit hochstehendem n) ja gar nicht eingeben, geschweige denn suchen. Weder in deutsch, noch in englisch oder in chinesisch, was ja möglicherweise wünschenswert wäre, wenn man den Erdenkern glauben darf, die in erster Linie das internationale Publikum im Auge haben.
Egal: Solche pragmatischen Überlegungen sollte man erst gar nicht anstellen, wenn man die Welt mit einem Buchstaben (hochgestellt) erobern will. Herzlichen Glückwunsch, Kohlenpott!
No commentsHyper-Boosting-Naming: Wie man mit einer Produktbezeichnung die Männerwelt semantisch K.O. schlägt.
Eine so souveräne Produktbezeichnung gab es selten: Hydra Energy Turbo Booster. Darunter mag man sich vieles vorstellen, z.B. eine besonders energiesparende Lampe fürs Wohnzimmer oder aber einen besonders schicken Akku für die Fernbedienung. Es handelt sich jedoch um eine Art Gel, das nach sportiver Betätigung das Gesicht des Mannes erfrischen soll. Aus Respekt vor der Kreativität des zuständigen Texters haben wir das Produkt selbstverständlich sofort ausprobiert. Die Wirkung ist etwas weniger spektakulär als das Naming, aber das soll nicht weiter stören. Denn: Wer den Mut zu solch inhaltsfreien Bezeichnungen aufbringt, der wird mit Probierkäufen belohnt. Respekt!
“Be Berlin” “Sei San Francisco”
Der Berg hat gekreißt, heraus kamen zwei Buchstaben: “Be Berlin” soll nun der Weisheit letzter Schluss für den Hauptstadt-Claim sein. Das muss verdutzen, hatte doch der Ausschreibungstext noch deutlich einen - übersetzbaren - deutschen Claim verlangt. Dies hat auch der Tagesspiegel bemerkt, hält es für eine Ente und macht sich berechtigte Sorgen, wie denn der Claim von Berlin-Besuchern fremder Nationalität auszusprechen sei. Ja, wenn man es mal überdenkt, kommt man zu absonderlichen Erkenntnissen.
Machen wir den Test als Muttersprachler: Wie käme es uns vor, wenn uns eine kalifornische Stadt mit dem Slogan “Sei San Francisco” umwürbe? Schon gaga, oder? Mag es als promotionale Maßnahme noch angehen, scheint es als markenbildender Claim weitgehend inhaltsfrei zu sein. Wo bleibt der USP? mag man den Kreativen vorwerfen; erst recht jedoch den selbst ernannten Markenspezialisten in Senat und Räten. Leider ist jedoch der Schreiber dieser Zeilen befangen; hat er doch selbst an einer Lösung mitgearbeitet, die dummerweise dem Deutschen verhaftet geblieben ist. Das wäre eine nahe liegende Lösung ; vielleicht ist sie darum nicht im Fokus?
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